Nicht nur unter Berlinern und Berlinerinnen ist die Bebauung des Tempelhofer Feldes umstritten: die Urbanisierung und Gentrifizierung Berlins ist schon seit Jahren Topthema in den Berliner Schlagzeilen, Diskussionen über dieses Thema reichen weit über die Berliner Stadtgrenzen hinaus.

Worum geht es hier genau: lediglich um die Bebauung eines nicht mehr genutzten Flughafens – oder de facto um wesentlich mehr?

Das Tempelhofer Feld ist für Neuköllner, Berliner, Touristen – für alle, die hier herkommen – zu einem Treffpunkt geworden, der vielen ans Herz gewachsen ist. Im Sommer sonnen sich hier Partygänger, Touris, aber auch Urberliner, es ist ein buntes Miteinander. Es wird gegrillt, gechilled – und Kitesurfer, Skater und Partys haben aus dem Tempelhofer Feld einen Platz gemacht, den eine ähnliche Atmosphäre auszeichnet wie die Berliner Parks.

Verständlich daher die große Aufregung, von der die geplante Bebauung begleitet wird. Ein Volksentscheid soll am 25. Mai diesen Jahres für Klarheit sorgen. Zwei Gesetzesentwürfe liegen vor, einmal der des Berliner Abgeordnetenhauses, einmal das „THF-Gesetz“. Letzteres hat sich auf die Fahne geschrieben, das Tempelhofer Feld zu erhalten. 630.000 Ja-Stimmen werden zur Durchsetzung des THF-Gesetzes benötigt.

Bei einer Bevölkerungszahl von über 80 Millionen dürfte das kein großes Problem sein.

Die Frage ist, was den Berlinern und den Reisenden, die Berlin besuchen, mehr bringt: ein Tempelhofer Feld mit neuen Gewerbeflächen, Hochhäusern und Parkplätzen oder das Feld, so wie es jetzt ist.

Erinnern wir uns:  das Tempelhofer Feld war ursprünglich ein militärisches Übungsgelände und Paradeplatz der Berliner Garnison. Seit 30. Oktober 2008 ist der Tempelhofer Flughafen, vorher neben Tegel und Schönefeld einer der drei internationalen Flughäfen Berlins, geschlossen.

1996 einigten sich Mitglieder der Großen Koalition auf den sogenannten „Konsensbeschluß“, der vorsah, einen neuen Großflughafen „Berlin Brandenburg Internatioal“ (BBI) zu bauen, Tempelhof und Tegel sollten dichtmachen.

Laut Berliner Senat waren die Einnahmen aus dem Flughafenbetrieb defizitär:  für das Jahr 2003 wurde der daraus entstehende Verlust mit 15,3 Millionen Euro angegeben. In der Folge klagten einige Fluggesellschaften gegen den ergangenen Bescheid, das Oberverwaltungsgericht entschied schlußendlich am 23. September 2004, dass „der Flugbetrieb bis zur Entscheidung in der Hauptsache aufrechterhalten werden müsse“.Der Senat zog daraufhin den Bescheid zurück, 2006 sah ein weiterer fundierter Bericht von August 2006 das Ende der Betriebspflicht ab Anfang November 2007 vor.

Das Filmstudio Babelsberg gehörte zu den Institutionen, die sich für den Erhalt des Tempelhofer Feldes einsetzten: nach einem gescheiterten Volksentscheid zur Rücknahme des Schließungsbeschlusses des Berliner Senats erneuerte es das Angebot, im Tempelhofer Flughafengebäude mehrere Filmateliers sowie Europas größten Requisiten- und Kostümfundus zu schaffen.

Bereits der erste Flächennutzungsplan des wiedervereinigten Berlins aus dem Jahr 1994 sah im Gegensatz zum Flughafen Tegel eine Umwidmung des Flughafengeländes mit zukünftiger Nutzung als Gewerbe-, Wohn-, Park-, Sport- und Sonderfläche vor, eine Folge der Klage mehrerer Fluggesellschaften. Das Gericht sah damals eine Entscheidung im Sinne der Kläger in der Hauptsache vor. Ein daraufhin vom Oververwaltungsgericht vorgeschlagener Vergleich scheiterte an der zu geringen Zustimmung der klagenden Unternehmen.

Neues Datum für die Schließung des Tempelhofer Flughafens war nun Ende Oktober 2008: Senat, Oberverwaltungsgericht und Bundesverwaltungsgericht waren sich einig.

Nun gründete sich eine Interessengemeinschaft namens City-Airport Tempelhof, die einen Volksentscheid anstrebte. Die Sammlung von Unterschriften aus einem ersten Volksbegeheren begann Ende November 2006. Im 8. Mai 2007 bestätigte der Berliner Senat die Sammlung von knapp 30.000 gültigen Unterschriften. Damit wurde der nach der Berliner Verfassung erforderliche Nachweis von mindestens 20.000 Befürwortern eines Volksbegehrens erbracht; schon Ende Januar 2008 war eine Anzahl von 170.000 Unterschriften erreicht. Der anschließende Volksentscheid vom 27. April 2008 scheiterte an der notwendigen Zustimmungsgrenze von 25 % aller Wahlberechtigten. Sie wurde um wenig mehr als 3 % verfehlt.  Die Kosten für die Durchführung des Volksentscheides beliefen sich zum damaligen Zeitpunkt auf rund 2,5 Millionen Euro.

Die ICAT reichte dann eine Verfassungsbeschwerde ein, ohne Erfolg.

Die aktuelle Lage ist nun wie folgt: laut Masterplan des Senats sollen 40 Prozent der Fläche bebaut werden, 70 % des Tempelhofer Damms und des Südrings sollen Gewerbeflächen einnehmen, 30 % neue Wohnungen.

Angesichts der Wohbnungsnot in Berlin scheint das ja eine gute Idee zu sein.

NUR: warum müssen die Wohnungen ausgerechnet auf dem Tempelhofer Feld gebaut werden?

Das Tempelhofer Feld: ein umstrittenes Feld, „ein weites Feld“….

Investoren und Gewerbetreibende sind in Berlin sicherlich unentbehrlich.

Der Berliner Flair aber auch.

Bleibt abzuwarten, wie der Volksentscheid ausgeht – wir Mädels werden auch abstimmen.

In diesem Sinne: CHEERS!