Das Bild „Die Unbekannte“ spiegelt viel von Dorothea Gragerts Innenleben wider. Die Einsamkeit eines Jeden soll hier dargestellt werden, ebenso die Hoffnung auf Fülle und Bereicherung, beides selbst in einer Wüstenlandschaft zu finden.

Die Blätter des Strauches symbolisieren Wandel: Das grüne Blatt steht für Jungsein, für Dynamik, das rote Blatt für volles, pralles Leben. Eines jedoch hat den Anschein, als würde es bald abfallen – Gragert sagt selbst, ohne jegliches Bedauern, dass man mit 84 Jahren eben daran denken müsse, vergänglich zu sein.

Die drei Personen auf dem Gemälde stellen dar, dass man mit anderen zusammen sein kann, und trotzdem für sich alleine steht. Was nicht sonderlich negativ gedeutet werden muss. Immerhin zeigt sich gerade im Alleinsein Selbstständigkeit und Lebenssinn.

Das weibliche Gesicht, das sich aus Teilen des Strauches formt, sei Zufall gewesen, sagt Gragert. Sie hätte das Bild mitten in der Nacht begonnen und ohne darauf zu achten die Farben und Formen so angeordnet, dass ihr erst am nächsten Morgen aufgefallen sei, dass es sich um ein weibliches Antlitz handele.

 

Text: Dorothee Emsel